Review: IM HOHEN GRAS (Netflix)

Spätestens seit den Neuauflagen zu ES und FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ist der Name Stephen King wieder ein Kassenmagnet in der Filmbranche. Verfilmungen von Geschichten des bekanntesten Horrorautors der Welt sind wieder schick. In den 80er und 90er-Jahren eskalierte das bereits mit unzähligen Verfilmungen, die mal besser (ES) und mal schlechter (RHEA M) gelangen.

Nun gibt es exklusiv auf Netflix die Verfilmung zur 2012 erschienenen King-Story IM HOHEN GRAS zu sehen. Von der ersten Sekunde an breitet sich dieses seltsame Stephen King-Gefühl aus, dass man früher bei den TV-Verfilmungen von King schon hatte. Irgendwie schräg und schwer zu beschreiben. Man merkt zwar an zahlreichen Ecken und Kanten, dass es sich nicht um eine große Kinoproduktion handelt, aber doch hat das alles seinen Charme.

Das Böse lauert also hier im hohen Gras anstatt im Maisfeld (Kinder des Zorns, The Stand). Die typische King-Symbolik ist auch hier an allen Ecken zu sehen. Auch hier wandeln sich vertrauter Menschen durch die Anwesenheit des Bösen zu Selbigem (Shining) und Patrick Wilson (Conjuring) zeigt auch in IM HOHEN GRAS eine sehr ansprechende Leistung. Die restlichen Darsteller bewegen sich auf einem akzeptablem TV-Niveau. Lobend sei noch erwähnt, dass auch das Kind Tobin hier nicht nervig verkörpert wird und ich mich oft frage, wo man eigentlich immer diese gruseligen (im positiven Sinne) Kinderdarsteller findet. Es gibt ja nun auch genügend Beispiele im Horrorbereich, wo die Kinder derart nerven, dass man dazu neigt deren Ableben herbei zu sehnen (The Babadook).

Nun gut…die Geschichte entwickelt sich, zeigt sich recht phantastisch und unverbraucht. Der gute EIndruck wird etwas getrübt durch ein paar rein computeranimierte Szenen aus Blut, Krähen und Gras, die eine Art Traumsequenz darstellen solllen. Dabei bringen diese den Film in keinster Form weiter und sehen beschissen aus. Da es sich aber nur um 2 Szenen unter einer Minute handelt, lässt sich das verschmerzen.

Im letzten Drittel entwickelt sich der Film dann sogar noch überraschend grausam, was in den 90ern sicherlich eine FSK 18 (der Film ist laut Netflix ab 16) samt Indizierung mit sich gebracht hätte. Ja sogar ein Tabuthema (ich will hier nicht spoilern) wird hier dargestellt, wenngleich die Kamera das nur andeutet.

Fazit: IM HOHEN GRAS ist der perfekte Horrorthriller für einen verregneten Nachmittag auf der Couch. Atmosphärisch gelungen, nicht immer perfekt in Szene gesetzt präsentiert sich die King-Verfilmung als gute Genre-Unterhaltung. Allerdings sollte man mit Phantastik als solches schon etwas anfangen können, denn die Geschichte ist nun alles andere als realitätsnah, dafür aber ziemlich verdreht, interessant und unverbraucht.

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