Review: JOKER (2019)

Ich war nie ein großer Fan von Superheldenfilmen und irgendwie schließt das ja auch die Superschurken mit ein. Und doch waren Christopher Nolan’s Dark Knight-Filme ein Pflichtprogramm. Nicht zuletzt durch die grandiose Joker-Darstellung des verstorbenen Heath Ledger.

Nun soll also schon wieder ausgerechnet der Joker derart grandios dargestellt sein, dieses Mal von Joaquin Phoenix und dieses Mal als titelgebende Figur. Die Medien stürzten sich gleich wie die Geier auf das Ergebnis und attestieren Phoenix bereits jetzt einen Oscar für seine Leistung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und so war ich mehr als skeptisch vor meinem Kinobesuch. Vor allem wenn man sich bewusst ist, wer da auf dem Regiestuhl beim JOKER Platz genommen hat. Die Rede ist von Todd Phillips, was vielleicht nicht jedem etwas sagen wird. Phillips zeichnete sich bislang vor allem für die Hangover-Filme und Komödien, wie Road Trip, Stichtag oder die Neuauflage von Starsky & Hutch verantwortlich. Da legt sich einem Fan von tiefgründiger Kinounterhaltung schon mal die Stirn in Falten.

Egal, Platz genommen und ab geht die wilde Luzi…von der ersten Sekunde an stellt sich ein ungutes Gefühl in der Magengrube ein, denn der Film zeigt sich intensiv…sehr intensiv. Hier sieht nichts nach polierter Hollywood-Optik aus. Viel mehr riecht man förmlich den Dreck in den Straßen und den Schimmel an den Wänden. Etwas irritiert erlebe ich die erste halbe Stunde, die so gar nichts von einem Mainstreamfilm hat. Viel mehr entfaltet sich ein unterkühltes Drama, dass irgendwo zwischen Taxi Driver, Henry – Portrait of a Serial Killer und Menschenfeind angesiedelt ist.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich mir noch ziemlich sicher, dass Warner Bros in den nächsten 90 Minuten noch alles einreißen wird und jede Menge Action einbauen wird, doch mit jeder Filmminute die verstreicht, entwickelt sich Phoenix alias Joker zu etwas Bösem. Meine Stirnfalten beginnen sich zu glätten (und das mit 37) und ein leichtes Grinsen beginnt mich zu zeichnen.

Was in der zweiten Stunde von JOKER dann folgt ist nicht weniger als eine cineastische Offenbarung für alle die dachten, dass solche Geschichten im Mainstream keine Chance mehr hätten. Der Film ist dramatisch, emotional und brutal zu gleich. Dabei wird er Zuschauer mit durchschnittlichen Sehgewohnheiten vor eine Herausforderung stellen, denn JOKER ist nicht schön, er ist auch nicht actionlastig….er ist einfach unbequem und das mit voller Absicht.

Der Soundtrack ist erstklassig und verschmilzt mit der Leistung von Joaquin Phoenix zu einer unheiligen Allianz. Man sieht, spürt und hört, wie das gesamte Geschehen zu einer tödlichen Spirale wird und auf den Abgrund zusteuert, Und Todd Phillips bringt es dabei fertig keine Vollbremsung hinzulegen, sodnern mit lautem Lachen den Zuschauer einfach hinunter in den Abgrund zu stoßen.

Fazit: JOKER ist ein Psychodrama, das dem Zuschauer alles abverlangt und das Kino dahin führt wo es hingehört…über die Magengrube direkt in die Köpfe und da bleibt der JOKER eine ganze Zeit lang nach dem Verlassen der Lichtspielhäuser…..ein wahrhaftiges Meisterwerk!!

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