NETFLIX und co – Wer prüft die Inhalte?

FSK, USK, BpjM und Spio…in Deutschland und auch in anderen Teilen der Welt gibt es eine Vielzahl von Freigabeinstitutionen und Organisationen, die sich mit der Einstufung und Klassifizierung von Medieninhalten kümmern. Egal ob Film, Serie, Videospiel oder zum Teil sogar Webseiten. Insbesonderen in Deutschland wird gerne und viel geprüft. Weitläufig geht der Konsument sogar davon aus, dass es bei uns eine Prüfpflicht gibt, zumindest was Filme und Serien angeht. Dem ist allerdings nicht so und die Ergebnisse werden in letzter Zeit insbesondere bei Streamingdiensten, wie Netflix, Amazon Prime etc. sichtbar.

Zwar gibt es auch bei diesen Anbietern kleine Alterskennzeichnungen, die mit ab 0, 6, 12, 16 und 18 mit denen bekannten Einstufungen der FSK einhergehen, aber sie stammen nicht von dieser. Netflix und auch Amazon prüft seine Inhalte nämlich selbst. Zumindest was die exklusiven Programminhalte angeht und die werden auf allen Streamingportalen immer besser und auch wichtiger.

So trägt dieses selbstverwaltete Prüfsystem mitweilen etwas seltsame Früchte. So geschenen zuletzt bei dem Actionstreifen AVENGEMENT – BLUTIGER FREITAG. Der harte Actioner erschien im Verleih nur in einer gekürzten Fassung, da die FSK alle Versuche den Film ungeschnitten ab 18 Jahren abwies. Zuletzt musste man über eine Minute entfernen und selbst dann war ein Antrag bei Gericht notwendig, um zuminest diese gekürzte Fassung schließlich von der FSK ab 18 Jahren freigegen zu lassen.

An dieser Stelle war es dem Verleiher also möglich den Film in den Handel zu bringen, was mit einer nicht geprüften und freigegeben Fassung nicht möglich gewesen wäre. Zum einen da kaum ein Händler Filme ohne Kennzeichnung in sein Programm aufnimmt und zum anderen weil eine ungeprüfte Fassung rechtlich nicht vor einer Indizierung oder gar Beschlagnahmung geschützt gewesen wäre, was im letzteren Fall eine komplette Vernichtung der produzierten DVDs und BluRays zur Folge gehabt hätte. Ein enormes finanzielles Risiko für einen Verleiher. So schaffte es AVENGEMENT dann im Juni 2019, nach großem Aufwand und entsprechenden Kosten in den Handel.

Keine drei Monate später startet der Film dann bei Netflix, da die Streamingrechte von der Rechten zur Auswertung auf Trägermedien getrennt vermarktet werden. So kam es dann, dass Netflix den Film zwar ab 18 Jahren in seinem Portal kennzeichnet, aber dem Publikum den Streifen völlig unzensiert präsentiert. Und das nach dem aktuellen Stand der Dinge auch rechtlich vollkommen einwandfrei. Für den Verleiher der gekürzten Fassung natürlich finanziell ein ähnliches Desaster, wie eine Indizierung oder Beschlagnahmung einer möglichen ungekürzten Veröffentlichung auf DVD und BluRay.

Natürlich wäre es jetzt seitens der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (kurz: BpjM) theoretisch möglich eine Indizierung der Streamingfassung auf Netflix auszusprechen, doch einen solchen Fall hat es bis heute nicht gegen. Und generell ist nicht einmal klar, ob die Befugnisse der BpjM dafür ausreichen, da sich die Stelle bislang ausschließlich mit Veröffentlichungen auf Trägermedien beschäftigt hat. Zwar gab und gibt es auch Indizierungen von Webseiten durch die BpjM, aber eben nicht von einzelnen Inhalten einer Webseite. So wäre im Falle einer Indizierung der Netflix-Fassung von AVENGEMENT quasi eine Indizierung von Netflix im Gesamten notwendig, was zur Folge hätte, dass man eine Löschung aus des den Suchergebnissen bei Google anstrengen würde und die Hürden zur Registrierung bei Netflix enorm erhöht werden müssten. Eine Registrierung ohne den Nachweis der Volljährigkeit, beispielsweise über das Post Ident-Verfahren, wären dann nicht mehr möglich. Eine Situation, die bei dem Bekanntheitsgrad von Netflix und Amazon fast undenkbar ist.

Derzeit laufen bei der FSK erste Tests, die es möglich machen sollen eigene Inhalte anhand eines Fragenkatalogs prüfen zu lassen. Dann würde die FSK zwar nicht selbst prüfen, aber die Kriterien festlegen, anhand derer Unternehmen, wie Netflix ihre Inhalte dann selbst prüfen. Dabei gäbe es auch eine Freigabe, die dem Anbieter Rechtssicherheit gewährleitst und der FSK die Möglichkeit die Kennzeichnungen nach Bedarf zu prüfen und gegebenfalls zu korrigieren. Ein ähnliches System wendet die USK bereits erfolgreich bei Spielen und Apps an. Der Markt hat sich verändert und das müssen nun auch die Prüfinstitutionen tun, was erfahrungsgemäß nur sehr langsam vonstattet geht.

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