Review: PERFECT SKIN

(GB 2018)

Regie: Kevin Chicken

Mit: Richard Brake, Jo Woodcock, Natalia Kostrzewa

Freigabe: FSK ab 18

Release: 18. Oktober 2019

copyright Pierrot Le Fou

Story: Die Osteuropäerin Katia (Natalia Kostrzewa) hat den Pfad der Tugend vor einiger Zeit bereits verlassen: Statt sich ihrer Karriere als Au-Pair in London zu widmen, investiert sie erbetteltes Geld lieber in Saufgelage und Partys. In einem Pub trifft sie den Tattoo-Künstler Bob (Richard Brake). Nach einer Nacht voller Alkohol nimmt Katia Bobs Angebot an, sie nach Hause zu fahren. Als sie nach einem Filmriss Stunden später aufwacht, liegt sie gefesselt in einem Käfig in seinem Kellerverlies. Von da an beginnt ein schreckliches Martyrium für Katia, denn ihr Körper soll die Leinwand sein, auf der Bobs beeindruckendstes Werk entstehen soll.

Kritik: Themen, wie Zwangstattoos, Körpermodifiktion und Fetisch können schon mal für recht abgefahrenen FIlmstoff sorgen. So bewegt sich PERFECT SKIN ein wenig auf den Spuren von Dee Snider’s Strangeland. Dabei ist es einer dieser Filme bei denen es unwahrscheinlich wichtig ist, zu wissen auf was man sich einlässt. Und damit ist nicht gemeint, dass der Film einen Härtegrad an den Tag legt, dass man die Kotztüte parat haben sollte…im Gegenteil. PERFECT SKIN ist kein Torture Porn und bietet so gut wie keine blutigen Szenen. Viel mehr ist er ein Horrordrama, dass sich eher in Richtung DAS PARFÜM, eben nur mit Tattoos und Piercings, bewegt.

Das große Plus des Films ist ohne jeden Zweifel Richard Brake, der hier den obsessiven Körperkünstler wirklich in Perfektion mimt. Insbesondere als Doomhead in Rob Zombie’s mäßigem Horrorstreifen 31 setzte Brake als Psychopath einen der wenigen Glanzpunkte. Und eben dieses Schauspiel setzt er hier in PERFECT SKIN fort. Die restlichen Darsteller bewegen sich auf solidem Niveau. Dabei fehlt ihnen aber irgendwie die Sympathie und auch ein wenig die GLaubwürdigkeit. Brake ist hier ganz klar der Hahn im Korb und Chef im Ring.

Auf dem Regiestuhl sucht man in seinen Gehirnwindungen vergebens nach größeren Erfahrungswerten, denn Regisseur Kevin Chicken (heißt der echt so?) präsentiert mit PERFECT SKIN sein Langzetfilm-Debüt. Zwar ist der Film solide abgedreht, aber die fehlende Erfahrung merkt man dann insbesondere beim Spannungsbogen ganz deutlich. Chicken vergisst nämlich bei den ganzen schönen Tattoo-Aufnahmen eines ganz besonders: den Spannungsbogen. Wirkliche Spannung baut der Film nämlich im Höchstfall in den letzten 15 Minuten auf, davor lebt er davon, dass der Zuschauer erwartungsvoll denkt, dass dieser irre Tattoowierer doch jetzt bald eskalieren muss. Somit tut Richard Brake viel mehr dafür den Zuschauer bei der Stange zu halten, als es das Drehbuch eigentlich verdient.

Ja und im letzten Drittel lässt er dann tatsächlich die Sau ein wenig fliegen. Aber auch hier sei nochmal erwähnt: PERFECT SKIN ist kein harter Horror. Die Freigabe ab 18 Jahren kann man ziemlich deutlich an einer Szene fest machen, die für ein ungeübtes Publikum zwar sicher unangenehm ist, aber Horrorfans jetzt nicht sonderlich aus der Bahn werfen wird. Schon ein Schnitt von vielleicht 10 Sekunden würde den Film auf ein Niveau ab 16 Jahren absenken und selbst in seiner ungeschnittenen Fassung gab es schon härtere Streifen, die mit einer Jugendfreigabe daher kommen.

PERFECT SKIN ist in Deutschland ungeschnitten erschienen. Pierrot Le Fou spendiert dem Film neben der Standard-DVD bzw. BluRay auch eines seiner schicken Mediabooks.

Fazit: Wer weiß, dass er mit PERFECT SKIN mehr Drama als Horror bekommt und sich dazu noch für Körperkult und Obsession interessiert, der sollte durchaus einen Blick riskieren. Insbesondere Richard Brake ist es als Psycho mal wieder wirklich wert, dass man sich das anschaut. Wer aber harten Horror und fiese, explizite Szenen erwartet, der wird hier definitiv nicht bedient.

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