SCREAM – Von der Hommage zum Klassiker

Im Jahr 1997 startet SCREAM als Geheimtipp in den Kinos. Als deutliche Hommage an den Slasherfilm der späten 1970er und 80er kopierte er unverschämt die klassischen Elemente seiner Vorbilder und spickt sich selbst mit Zitaten und Erwähnungen eben jener großen Vorbilder. Wie die Verbeugung vor der großen Zeit des Horrorfilms, selbst zum Vorbild einer neuen Hochzeit des Genres wurde, beleuchten wir in unserem Special zu SCREAM.

Wes Craven – Der Macher

Foto: Bob Bekian

Filmemacher Wes Craven (1939 -2015) wurde in den 70er und 80ern berühmt durch kompromissloses Horrorkino. Schon sein Frühwerk Das letzte Haus links (Last House on the left, Mondo Brutale) aus dem Jahr 1972 schlug bei den Sittenwächtern weltweit hohe Wellen. So wurde in den deutschen Kinos nur eine stark gekürzte Fassung gezeigt. Erst 1997 wurde der FIlm ungekürzt in Deutschland auf Video veröffentlicht und in dieser Fassung 2005 bundesweit beschlagnahmt. Diese wurde erst 2017 aufgehoben und derzeit wird seitens der FSK geprüft, ob man die ungeschnittene Fassung mittlerweile freigeben kann. Den ganz großen Erfolg landete Craven dann 1984 mit A Nightmare on Elm Street und der Erschaffung der ikonischen Horrorgestalt Freddy Krueger. Stolze sechs Fortsetzungen, ein Spin-Off (Freddy vs Jason), ein Remake und eine TV-Serie zog der Klassiker des Horrors nach sich und prägte die 1980er-Jahre, wie kaum ein anderes Franchise. Die Nightmare-Filme mit ihren Darstellern (unvergessen: Johnny Depp mit bauchfreiem T-Shirt) und Soundtracks sind dabei bis heute auch Zeitzeugen der jeweiligen Popkultur. Die Hauptreihe zum Traum-Monster Freddy Krueger endete 1994 mit New Nightmare, der bei einem Budget von 8 Millionen US-Dollar noch immer allein in den Kinos rund 20 Millionen US-Dollar einspielen konnte. Dennoch ging das Interesse an den Horrorikonen der 80er merklich zurück. Die Killerkollegen Michael Myers (Halloween), Jason Vorhees (Freitag der 13.) und Pinhead (Hellraiser) fanden schon seit einigen Jahren nur noch im Direct-to-Video-Bereich statt und so kam Craven der Gedanke das Slashergenre einem neuen, jüngeren Publikum anzupassen ohne dabei die Wurzeln zu verleugnen.

SCREAM (1996)

Drehbuchautor Kevin Williamson schrieb ein Skript unter dem Titel Scary Movie. Dabei ließ er sich von den Berichten über den Gainesville-Killer inspirieren, der 1990 fünf Studenten brutal ermordete. Dieses Drehbuch fiel dann schließlich Wes Craven in die Hände. Der war zunächst nicht sonderlich angetan und lehnte es ab die Regie zu übernehmen. Das Projekt geriet ins Stocken als auch Sam Raimi (Tanz der Teufel) und George A. Romero (Dawn of the Dead) ablehnten. Erst als man Drew Barrymore für die Hauptrolle der Sidney Prescott interessieren konnte, zeigte sich Wes Craven beeindruckt und übernahm schlussendlich doch den Regiestuhl. Ziemlich überraschend gab Barrymore kurz vor Drehstart die Hauptrolle aber wieder ab, bot als Entschädigung aber an eine Nebenrolle zu übernehmen. Craven sah darin die Möglichkeit eines ähnlichen Twists, wie es Alfred Hitchcock in Psycho vollzog, in dem er die vermeidliche Hauptdarstellerin früh im Film sterben ließ. So bekam Drew Barrymore als bekannteste Schauspielerin im Cast die Rolle des ersten Opfers in Scream. Nach ersten Probeaufnahmen für die Hauptrolle fiel die Entscheidung dann zwischen Neve Campbell und Brittany Murphy. Schlussendlich bekam Campbell die Rolle der Sidney Prescott, die zu ihrer erfolgreichsten Rolle werden sollte.

copyright Dimension Films

Kurz vor Drehstart stand der Film kurz vor seinem Aus. Craven wollte unbedingt in Kalifornien drehen, was Mehrkosten von rund 1 Millionen US-Dollar bedeutete. Das gefiel den Produzenten-Brüdern Weinstein gar nicht und so dachte man über eine Neubesetzung des Regiestuhls nach. Schlussendlich gab man aber Cravens’s Forderug nach. Im Gegenzug verlangten die Produzenten den Titel des Films von Scary Movie in Scream zu ändern. Nach rund acht Wochen waren die Dreharbeiten abgeschlossen und ein Budget von 15 Millionen US-Dollar ausgegeben. Der fertige Film wurde der US-amerikanischen Prüfstelle MPAA vorgelegt, doch auf Grund zahlreicher, brutaler Szenen bekam die ungeschnittene Fassung ein NC-17-Rating, was in den USA zur Folge hat, dass der Film nur in Nischenkinos gezeigt werden könnte. Die großen Kinoketten ignorieren Filme mit einer solchen Freigabe, die in den USA für Pornographie und Obszonität steht. Um überhaupt Chancen zu haben das ausgegeben Budget wieder einzuspielen, wurde der Film an einigen Stellen um wenige Sekunden gekürzt. Insbesondere die blutigen Szenen in der Eröffnungsszene, sowie im finalen Showdown mussten ein wenig abgeschwächt werden. Diese Fassung startete dann im Dezember 1996 in den US-Kinos und mauserte sich vom Geheimtipp zum Überraschungstipp. Es sollte dann aber noch bis zum Oktober 1997 dauern bis Scream dann auch in den deutschen Kinos zu sehen war. Dabei wurde der FSK die leicht gekürzte US-Kinofassung zur Prüfung vorgelegt und ab 18 Jahren freigegeben. Irrtümlicherweise wurde die deutsche Kinofassung als Director’s Cut beworben, was so nicht stimmte. An den Kinokassen war Scream ein fast unglaublicher Erfolg und spielte insgesamt ca. 173 Millionen US-Dollar ein. Davon entfielen rund 17 Millionen D-Mark auf die deutschen Lichtspielhäuser.

Die Kinofassung erschien dann auch auf DVD und VHS. Wenige Wochen später indizierte die Bundesprüfstelle diese Version, was eine um mehr als drei Minuten gekürzte FSK 16-Fassung nach sich zog, die dann hauptsächlich in den deutschen Händlerregalen und auch in den TV-Ausstrahlungen zum Einsatz kam. 2011 wurde der Film vom Index gestrichen. Kinowelt legte dieses Mal die Unrated-Fassung zur Prüfung vor, also ohne die Schnitte, die bereits für die US-Kinos vorgenommen wurden. Die FSK kam zu dem Ergebnis, dass man den Film mittlerweile ab 16 Jahren freigeben kann.

Scream 2 (1997)

copyright Dimension Films

Unter dem Eindruck des finanziellen Megaerfolgs des ersten Films, gaben die Weinsteins sehr schnell eine Fortsetzung in Auftrag. Tatsächlich schaffte man es den kompletten Cast zusammen zu halten. Auch Wes Craven und Kevin Williamson waren erneut mit dabei. Mit knapp 25 Millionen US-Dollar lag das Budget bei Scream 2 um einiges höher, was aber in weiten Teilen von den gestiegenen Gageforderungen des Casts egalisiert wurde. Tatsächlich musste Williamson das Drehbuch komplett neu schreiben, da schon vor Drehbeginn Hacker das Originaldrehbuch im Internet veröffentlichten. Ab dort ging man auf Nummer sicher und gab selbst den Darstellern nur noch Skripte ohne das Ende des Films. Hinsichtlich der Probleme des ersten Films bei der MPAA forcierte Bob Weinstein bei der Fortsetzung einen Trick. Er ließ einige Mordszenen deutlich brutaler drehen, als eigentlich vorgesehen, so dass man dann am Ende die Wunschfassung ins Kino bringen zu können. Umso erstaunlicher, dass die MPAA dann wider jeder Erwartung diese brutalere Fassung mit dem angestrebten R-Rating versah. Diese Fassung wurde dann auch in den US-Kinos gezeigt. Weniger als ein Jahr nach der Premiere des ersten Films startete Scream 2 am 10. Dezember 2017. Selbst James Cameron scheute die Konkurrenz mit dem Horrorsequel und verschob seinen späteren Megahit Titanic um eine Woche nach hinten. Satte 172 Millionen US-Dollar spielte der Film weltweit ein und konnte den Erfolg des Erstlings so fast wiederholen. Allein in Deutschland sahen die Fortsetzung fast 1,3 Millionen Zuschauer im Kino. Die FSK vergab abermals eine Freigabe ab 18 Jahren. Von einer Indizierung blieb die Fortsetzung allerdings verschont. Bei den Kritikern fiel die Fortsetzung hingegen weitgehend durch und kam deutlich schlechter weg, als der Vorgänger.

Scream 3 (2000)

Nachdem man sich zwischen Teil 1 und 2 kaum Zeit gelassen hatte, ließ man es mit dem dritten Film etwas ruhiger angehen. Während auch dieses Mal der Cast der Hauptfiguren vollständig verpflichtet werden konnte und auch Wes Craven erneut die Regie übernahm. Courtney Cox und David Arquette, die sich bei den Dreharbeiten zu ersten Teil kennenlernten, waren mittlerweile sogar verheiratet. Da Kevin Williamson durch den Erfolg der beiden Vorgänger in eine Vielzahl an Projekten eingebunden war (u.a. Ich weiß was du letzten Sommer getan hast), stand er für Scream 3 nicht zur Verfügung. So übernahm der Newcomer Ehren Kruger das Drehbuch, der mit dem twistreichen Arlington Road auf sich aufmerksam gemacht hatte. Allerdings stand der Dreh von Beginn an unter keinem guten Stern. Kurz vor Drehstart verübten zwei Teenanger das Columbine Highschool Massaker und die Medien berichteten sehr kritisch über Gewalt in Filmen und Videospielen. So wurden auch die beiden ersten Scream-Filme in den Fokus der Berichterstattung über den Amoklauf gerückt. Auch soll es zahlreiche Spannungen zwischen Craven und den Produzenten über die Ausrichtung des Sequels gegeben haben. Schließlich wurde Scream 3 in 12 Wochen abgedreht. Im Zuge erneuter Unstimmigkeiten mit der MPAA ärgerte sich Wes Craven derart, dass er mehrfach andeutete, das Scream 3 sein letzter Horrorfilm ein würde. Mit einem Budget von rund 40 Millionen US-Dollar wurde auch der dritte Teil zu einem Erfolg und spielte weltweit rund 162 Millionen US-Dollar ein. Scream 3 wurde dann auch zum ersten Teil der Reihe, den die FSK ungeschnitten bereits ab 16 Jahren freigab. Nach dem dritten Teil erklärte Wes Craven die Trilogie als abgeschlossen.

Scream 4 (2011)

Über 10 Jahre lang galt die Reihe als abgeschlossen und die Freude beid en Fans war groß als Wes Craven verkündete im März 2010, gemeinsam mit Kevin Williamson, an einer Fortsetzung zu arbeiten. Abermals wurden die tragenden Darsteller der Reihe Neve Campbell, David Arquette und Courtney Cox verpflichtet. Die Dreharbeiten begannen im Juni 2010 und dauerten 40 Tage an. Dabei kamen erstmals auch zahlreiche CGI-Effekte zum Einsatz. Ein Punkt den insbesondere die Fans am fertigen Film kritisieren sollten. Mit 40 Millionen US-Dollar war Scream 4 dann schließlich der teuerste Film der Reihe und landete im Gegenzug mit 97 Millionen US-Dollar das schwächste, weltweite Einspielergebnis. Überschattet wurden die Dreharbeiten von zahlreichen Spannungen zwischen Courtney Cox und ihrem Ehemann David Arquette. Nach Abschluss der Dreharbeiten trennte sich das Paar und ließ sich 2013 rechtskräftig scheiden. Scream 4 sollte dann schließlich auch der letzte Film von Wes Craven sein, der 2015 in Folge eines Hirntumors im Alter von 76 Jahren verstarb. Die FSK sah keinerlei Probleme den vierten Film ab 16 Jahren freizugegen. Bei den Fans fiel das Sequel weitgehend durch. Irgendwie war das Franchise vond er Zeit überholt worden. Insbesondere das Horrorgenre war durch eine Reihe von Filmen, wie Saw oder Hostel einfach härter und brutaler geworden. Eine Entwicklung, die Scream 4 nicht mitging und beim jungen Kinopublikum nicht im gewünschten Umfang ankam.

Scream-Serie (2015)

Nach vier Scream-Filmen war 2010 dann erst mal Schluss. Doch schon 2015 kam die erste Staffel einer Reboot-Serie über Netflix. Mit einem komplett anderen Cast und einem anders designten Ghostface-Killer geht die Serie andere Wege als die filmischen Vorbilder und kann dabei durchaus Erfolge vorweisen. Mittlerweile geht die Serie bereits in die dritte Staffel.

Filmische Erben

Als Scream im Jahr 1996 über Nacht zum Megahit wurde, produzierten sämtliche Filmstudios zahlreiche Slasherfilme nach ähnlichem Muster. Während der sogenannten Teeniehorror-Welle enstanden unzählige, durchschnittliche Produktionen, aber auch einige sehr gute Horrorfilme. Dabei sind insbesondere die Filme Ich weiß was du letzten Sommer getan hast, Düstere Legenden und The Faculty zu nennen. Mit weichgespülten Filmen für ein sehr junges Publikum, wie Tötet Mrs Tingle wurde das Prinzip versucht auf seinen wirtschaftlichen Hohepunkt zutreiben. Im Zuge dieser Welle wurden auch den Vorbildern der Scream-Filme erneut mehr Aufmerksamket zu Teil. So trat Jamie Lee Curtis in Halloween H20 (1998) wieder gegen ihren Erzfeind Michael Myers an, Jason Vorhees wurde 2001 in Jason X ins Weltall befördert und selbst Killerpuppe Chucky wurde für Chucky und seine Braut erstmals nach dem ersten Teil in deutschen Kinos gezeigt (Teil 2 und 3 erschienen in Deutschland direct-to-video).

Zwar war der Horrorfilm als solches auch vor Scream Mitte der 90er präsent, allerdings begrenzte sich diese Präsenz überwiegend auf die zu der Zeit noch sehr populären Videotheken. Gleichzeitig stieß die neue Generation auch neuerliche Diskussionen um Zensur, FSK, Indizizierung und Beschlagnahmung an. Vor 2003 war es der Bundesprüfstelle jederzeit möglich einen Film, ungeachtet seiner FSK-Freigabe zu indizieren, was für die jeweiligen Verleiher enorme wirtschaftliche Einschränkungen mit sich brachte. So darf ein indizierter Film in keiner Form öffentlich beworben oder ausgestellt werden. Der Verkauf darf quasi ausschließlich auf Nachfrage des Kunden „unter der Ladentheke“ erfolgen. Seit März 2003 dürfen Filme in Deutschland, die eine Freigabe durch die FSK erhalten haben nicht mehr indiziert oder gar beschlagnahmt werden. Ein großer Schritt, der den Verleihern eine wirtschaftliche Sicherheit gibt. So war es vorher durch aus gängige Praxis, dass die Verleiher vorab großflächige Zensuren vornahmen, aus Angst die fertige Veröffentlichung könnte auf dem Index lassen. In den späten 80ern und frühen 90ern gab es so kaum noch blutige Horrorfilme, die in Deutschland nicht gekürzt waren.

Im August 2003 kam dann der erste Horrorfilm nach dieser Grundsatzänderung der deutschen Freigaberegeln in die Kinos und mischte zum klassischen Slasherprinzip a la Scream noch eine gehörige Prise Backwood-Horror. Wrong Turn startete im August 2003 in den deutschen Kinos und löste mit seinen brutalen Szenen und seiner vergleichsweise niedrigen Freigabe der FSK ab 16 Jahren weiter viele Diskussionen aus.

Scream und die zukünftigen Pläne (2019)

Erst kürzlich gibt es erste Ankündigungen, dass man derzeit einen neuen Scream-Film plane. Dabei ist aber zu jetzigem Zeitpunkt völlig unklar, ob es sich dabei um ein Sequel, ein Remake oder Reboot handeln soll. Ebenso gibt es noch keine Informationen zu Cast und Crew. Doch eins ist sicher: Die Filme rund um Ghostface haben zusammen über 600.000 US-Dollar eingespielt und damit rund das Sechsfache ihres Budgets. Noch dazu gehört Ghostface zu den populärsten Killern der Filmgeschichte und wird mittlerweile in einem Atemzugmit seinen großen Vorbildern genannt, vor denen er sich einst erfürchtig verneigte…mit diesem Erbe hat sich Schöpfer und Mastermind Wes Craven in den Herzen der Horrorfans einen Platz für die Ewigkeit reserviert und aus einer Hommage an die Klassiker des Horrorkinos selbst einen Klassiker gemacht.

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