Review: 3 FROM HELL

(USA 2019)

Regie: Rob Zombie

Mit: Sid Haig, Sheri Moon Zombie, Bill Moseley, Richard Brake

Freigabe: FSK ab 18

Release: 21. November 2019

Story: Die Familie Firefly sitzt nach ihrem letzten Massaker geschlossen im Knast und ist noch immer eine Attraktion bei den Fernsehzuschauern, die Interviews und Berichte über die Psychopathen liebt. Als ihnen die Flucht gelingt, ziehen sie ernet eine blutige Spur durch’s Land….

Kritik: Rob Zombie ist zurück mit seinem achten Spielfilm und kehrt mit 3 From Hell ein Stück weit zu seinen Wurzeln, der Famile Firefly, zurück. Jene Familie, die er anno 2003 für sein Debut Haus der 1000 Leichen erdachte und die ihn in der Fortsetzung The Devil’s Rejects zu einer der großen Hoffnungen im Horrorgenre machte. Das reichte soweit, dass Rob Zombie 2007 sogar zum Regiesseur des Reboots zum legendären Halloween erklärt wurde, was noch ganz passabel gelang in der Fortsetzung 2009 aber gehörig in die Hose ging. Danach folgten mit Lords of Salem und 31 noch zwei äußerst fragwürdige Filme, die man nur mit viel Wohlwollen in den Durchschnitt der Wertungsskala heben kann. Es ist also definitiv interessant zu sehen, ob Zombie, mit Hilfe seiner legendären Firefly-Family, zu alter Stärke zurück findet.

3 From Hell beginnt mit Interviews und Nachrichtenbeiträgen über die Morde der Family und Sid Haig alias Captain Spaulding erinnert uns sofort an die Atmosphäre der beiden Vorgänger. Schon sichtbar von schwerer Krankheit gezeichnet, verstarb Haig schon während der Dreharbeiten und so musste Rob Zombie das Skript vollständig überarbeiten. Er ersetzte den verrückten Clown durch einen bisher nie erwähntes Familienmitglied, welches mit Richard Brake hervorragend besetzt wurde. Er ist einfach der geborene Psycho-Darsteller. Dennoch hat man während des ganzen Films das Gefühl, dass Zombie das Drehbuch nicht umgeschrieben, sondern weggeworfen hat, denn was folgt ist ein ziemlich wirrer Ritt quer durch die Subgenres. Wir beginnen mit ein wenig 70s Explotation-Frauenknast-Film, bewegen uns dann zu einer Art Home Invasion-Szenario, über den RoadMovie hin zu Mexico-Action a la Robert Rodriguez. Allerdings klingt das besser als es ist.

Wer Rob Zombie schaut, bekommt auch Rob Zombie und niemand wird sich ernsthaft darüber wundern, dass der Sprachgebrauch der Charaktere aus den untersten Schubladen der Lyrik stammt. Es geht ohne Unterbrechung um Fotzen, ficken, Arschlöcher und das sind noch die netten Begrifflichkeiten. Was die Charaktere an Verhaltensmuster an den Tag legen könnte nicht asozialer sein, aber das ist seit jeher eine Grundzutat in allen Werken des Regisseurs und Musikers. Während Richard Brake wirklich alles gibt und sehr gut spielt, gibt Bill Moseley einen ganz soliden Oberpsycho Otis ab. Sheri Moon Zombie offenbart allerdings nicht zum ersten Mal gewisse Defizite in ihrem Spiel und nervt hier bereits nach kurzer Zeit mit ihrem aufgedrehten Gehampel und Gekicher. Was in den Vorgängern erträglich war, weil die Gattin des Regisseurs nicht ganz so viel Screentime hatte, wird in 3 From Hell zur Geduldsprobe, da Frau Zombie von den drei Psychos eigentlich den Hauptpart abbekommt.

Ein weiteres Problem ist offensichtlich das Budget des Films gewesen. Nicht anders erklärt es sich, dass Zombie fast ausschließlich mit CGI-Effekten arbeitet. Und das auch noch von der billigen Sorte. Kaschiert wird das mit teils extrem wackliger Kameraführung und schnellen Schnitten. So sind die blutigen Szenen häufig nur zu erahnen oder verschwinden ganz im Off der Kamera. An den leichten Änderungen für ein R-Rating liegt das jedoch kaum, da der Vergleich zur Unrated-Fassung sich auf nur wenige Frames und andere Einstellungen fokussiert.

So hetzen wir durch die 90 Filmminuten und die einzelnen Szenerien ohne wirklich einen Zusammenhang zu finden. Ja, manche Teile von 3 From Hell erinnern an die früheren Werke und machen auch Spaß. Insbesondere der Home Invasion-Teil sammelt hier punkte. Andere Abschnitte, wie das unsägliche TexMex-Finale sind irre nervig und schwach inszeniert. Das große Problem von 3 From Hell ist das aber alles nicht. Viel mehr ist die Abwesenheit einer Geschichte hier der springende Punkt. Niemand erwartet einen twistreichen Mindfucker bei einem Rob Zombie-Film, aber das er so einfach gar nichts zur Firefly-Geschichte hinzuzufügen hat, ist schon ein wenig erschreckend. Die Frage nach dem Warum drängt sich auf. Warum eine Fortsetzung nach 14 Jahren, wenn ich nichts zu erzählen habe. Offensichtlich waren hier vor allem wirtschaftliche Interessen ausschlaggebend.

Fazit: Wer Rob Zombie’s bisherige Werke vergöttert, der wird auch 3 From Hell unterhaltsam finden. Wer hingegen schon 31 für schwache Kost hielt, der sollte sich von 3 From Hell nichts erhoffen, denn er unterbietet diesen hinsichtlich des Storytelling nochmal. Alle Firefly-Fans freuen sich über das Wiedersehen mit den Psychos einerseits und werden andererseits etwas ernüchtert sein, dass hier alles etwas „billiger“ aussieht, als in den Vorgängern. Ruhe in Frieden, Sid Haig!

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