Fokus: DISNEY+ – Fluch oder Segen?

Derzeit liest man allen Ecken des Internets Meldungen zum Thema Zukunft des Streamings in Zusammenhang mit dem ambitionierten Dienst DISNEY+. Dahinter befindet sich natürlich mit Disney einer der größten, wenn nicht der größte Entertainmentkonzern der Filmgeschichte. Waren früher nur Zeichentrickfilme, wie Dumbo, Bambi und co das Kerngebiet des Maus-Konzerns, hat man sich in der näheren Vergangenheit zu Hauf durch Zukäufe großer Studios verbreitert. Spätestens seit dem Kauf von 20th Century Fox und seinem mächtigen Lizenzen-Pool ist man der größte Platzhirsch auf der Wiese. Demnach gehören mittlerweile u.a. Die Simpsons genauso zu Disney, wie das Alien-Franchise, die Predator-Filme, das Star Wars-Universum und Marvel.

Was passiert nun mit all den Marken, Filmen und Serien, die unter anderem bei Netflix und Sky zu sehen waren. Erste Schritte sind bereits geschehen. Seit dem 30. September 2019 sind die Spartensender Disney Cinemagic und Disney XD nicht mehr Teil des Sky-Programms. Desweiteren werden alle Star Wars-Produktionen nach und nach aus anderen Streamingdiensten, wie Netflix verschwinden. Dabei sei aber gesagt, und das ist bislang noch viel zu wenig erwähnt worden, das betrifft lediglich Inhalte mit einer Höchstfreigabe ab 12 Jahren. Produktionen, die ab 16 oder gar 18 Jahren freigegeben sind, sollen nocht Teil von Disney+ werden. Die Plattform will sich als 100 Prozent familienfreundlich präsentieren.

Demnach muss zunächst niemand fürchten, dass er Disney+ abonnieren muss, um bestimmte Filme zu sehen, die ein erwachsenens Publikum voraussetzen. Diese Produktionen wird Disney weiterhin extern vermarkten. Disney+ startet in Deutschland am 31. März 2020 und wird aller Voraussicht nach 7,99 Euro/Monat oder 69,99 Euro/Jahr kosten. Dabei können bis zu sieben Profile pro Account angelegt werden, von denen bis zu vier gleichzeitig streamen können. Ausgesuchte Produktionen werden ohne Mehrkosten in UHD und Dolby Atmos streambar sein.

Nun was wird sich verändern? Natürlich wird ein gewisser Preiskampf entstehen und insbesondere Familien, die auch hauptsächlich den Kids-Modus von Netflix nutzen, werden zu Disney+ abwandern. Filmfans werden dort aber eher weniger bedient. Desweiteren werden exklusiv produzierte Inhalte an Bedeutung gewinnen. Ein Bereich in dem Netflix zuletzt sehr stark präsent war. Sei es mit eigenen Serienproduktionen, aber auch zahlreichen, exklusiven Filmen. Für Sky Ticket wird es sicher schwer werden, da man nur sehr schleppend exklusive Inhalte produziert und auch ein wenig das überteuerte Image anhaften hat. Insbesondere in Deutschland ist der Live-Sport wohl das stärkste Argument für den PayTV-Anbieter. Das Abo der Cinema-Inhalte ist im Vergleich einfach zu teuer. Amazon Prime Video ist noch immer eher ein Nebenprodukt der Shoppingkunden. Die Minderheit hat hier ein Abo wegen der Videoinhalte, nutzt diese eher als Gratis-Dreingabe zum Prime-Premiumversand. Nach starkem Beginn, scheint Amazon auch eher wieder etwas weniger Exklusivinhalte zu forcieren. Und da haben wir natürlich auch noch AppleTV+, die sich nicht schlechter hätten positionieren können. Seit dem 1. November 2019 für schlanke 4,99 Euro/Monat zu haben, zeigt man derzeit eine handvoll Exklusivserien, die die Kritiker wenig begeistern konnten. Außerdem redet derzeit jeder nur von Disney gegen Netflix. Die wenigsten werden sich derzeit mit AppleTV+ beschäftigen und es eher als Gratiszugabe zu neu gekauften Apple-Hardwaregeräten nutzen. Die Zukunftsprognose sieht da aus unserer Sicht eher düster aus.

Ein Geheimtipp ist der ehemalige Platzhirsch Maxdome, der es irgendwie geschafft hat eben nicht mehr trendy zu sein. Aber für 7,99 Euro/Monat erhaltet ihr mit über 50.000 Filmen und Serien immer noch die größte Auswahl an nicht-exklusiven Inhalten. Für Filmfans noch immer die beste Wahl und extrem breit aufgestellt.

Grund zur Panik gibt es demnach genauso wenig, wie man über Disney+ in Jubelstürme ausbrechen müsste. Die Zukunft ist nunmal die Vermarktung direkt zum Endkunden. Einzig die Anbieter, die bisher dazwischen lagen müssen sich Sorgen machen. Dazu gehört wohl vor allem das Kino, denn bereits jetzt starten die ersten Inhalte ohne vorherige Kinoauswertung direkt im Streaming. Die technischen Mittel zu Hause werden immer besser und der Mensch immer bequemer. Durch den Eintritt von Disney in die Streamingwelt, wird insbesondere auch der Handel mit physischen Medien, wie DVDs und BluRay weiter Einbußen hinnehmen müssen. Durch die steigende Konkurrenz zwischen den Anbietern wird sicherlich versucht werden mit Preisnachlässen Kunden langfristig zu binden. Der monatlich kündbare Account steht nämlich der eigentlichen Philosophie der Anbieter entgegen. Niemand will Abonennten, die alles im zweimonatigen Wechsel abonnieren und wieder kündigen, umso alle Inhalte sehen zu können. So werden die Preise für Monatsabos in den nächsten Jahren sicherlich ansteigen, während die anteiligen Kosten für ein Jahresabo tendenziell eher noch größere Ersparnisse zum Monatsabo bieten werden. Nicht zuletzt durch immer aufwendigere Exklusivproduktionen brauchen die Anbieter entsprechende Sicherheit bei den Abozahlen, die nur durch verlängerte Laufzeiten erreicht und finanziert werden können.

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