Interview: MARCEL WALZ (2019)

Trotz vieler Kritiker hat Marcel Walz es geschafft. Mit Leidenschaft, Glaube an sich selbst und viel, harter Arbeit, ist der deutsche Horrorfilmer von der der heimischen Low-Budget-Szene bis in die USA aufgestiegen. Dabei entwickelt er sich von mal zu mal weiter und hat nun mit BLIND seinen neusten Film auf Festivals auf der ganzen Welt am Start. Nachdem wir zuletzt 2015, kurz vor dem Start seines Remakes zu Blood Feast mit ihm sprachen (>>zum Interview von 2015), hat er sich nun wieder mal Zeit für uns genommen.

WTS: Marcel…unser letztes Interview führten wir kurz vor dem Release von Blood Feast. Bist du rückwirkend zufrieden damit, wie Fans und Kritiker den Film aufgenommen haben?

MW: Wenn man weit zu meinen Anfängen zurückblickt, weiß man das ich immer mit harter Kritik umgehen musste, was mich gleichzeitig dahin gebracht hat, wo ich heute stehe. Es hat mich stärker gemacht und ich lasse Vieles nicht mehr an mich heran. Um ehrlich zu sein, dachte ich die Kritiker würden den Film zerreissen, egal wie gut oder schlecht er ist. Dann kam die Überraschung: Unsere Premiere auf dem Fright Fest 2016 in London, auf dem wir durchweg positives Feedback von dem Gästen erhalten haben. Natürlich gibt es hier und da auch schlechte bis ganz schlechte Kritiken, aber die Positiven überwiegen und das zählt! Ich meine man kann es nicht allen recht machen, inbesondere bei einem Remak…und ganz ehrlich?! Das will ich auch gar nicht!

WTS: In deutsch ist der Film bis heute nur stark zensiert erschienen. Insbesondere die Kannibalismus-Szenen mussten zu großen Teilen für eine Freigabe ab 18 Jahren weichen. Gibt es eine Aussicht auf eine ungekürzte, deutschsprachige Veröffentlichung über Österreich?

MW: Ja und zwar sehr sehr bald! Die Cover wurden schon abgesegnet und die Extras können sich sehen lassen! Es wird ein wundervolles Rund-um-Paket geben auf das ich sehr stolz bin. Da hat ILLUSIONS UNLTD. wunderbare Arbeit geleistet und ihr könnt euch auf ein wirklich blutiges und vor allem ungekürztes Festmahl freuen!

WTS: Du bist derzeit auf Festivaltour durch die USA und England mit deinem neuen Film BLIND. Wie läuft es dort?

MW: Meinem Team und meinen Produzenten war von Anfang an klar das wir mit BLIND erst auf Festivaltour müssen. Wir wissen das BLIND einfach etwas Eigenes ist und viele denken „was zum Henker ist das?“. Es war eine 50/50 Chance den Labels zu zeigen, dass es ein Publikum für diesen Film gibt. Glücklicherweise sprechen unsere Reviews und Awards für den Film und wir haben diese Pokerspiel nicht verloren. Also ja, wir sind unglaublich stolz und happy, so wie es gerade läuft!

WTS: BLIND ist ziemlich anders, als man es von deinen bisherigen Filmen kennt. War es dir ein persönliches Anliegen mal eine andere Seite von Marcel Walz zu zeigen?

MW: Mir war es wichtig zu zeigen das ich weitaus mehr kann als nur Blut und foltern. Mit BLIND konnte ich das erste Mal einfach zeigen was für Ideen so in meinen Kopf herum schwirren. Dank meiner Produzenten hatte ich das Budget, um Bilder auf die Leinwand zu bringen, so wie ich es mir vorstellte und mir wurde zu 100 Prozent Freiraum gelassen (lacht).

WTS: Wie entstand die Idee zu BLIND?

MW: Von Anfang an war klar, dieser Film muss gemacht werden…egal wie! Alles startete mit einen Traum, ich habe gesehen, wie wir einen Film in meinen Haus drehen und das es um eine blinde Frau geht, die ihren Stalker nicht sehen kann. Ich bin aufgewacht und habe BLIND aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse. Am nächsten Tag schwirrte mir der Gedanke immer noch durch den Kopf und noch am selben Abend haben Sarah French (Anm. d. Red.: Hauptdarstellerin), Joe Knetter (Anm. d. Red.: Drehbuchautor von BLIND) und ich uns getroffen. Als ich ihnen von meinen Traum erzählte, redeten wir uns in Rage und warfen tausend Ideen in den Raum. Fünf Wochen später, nachdem wir das Budget in drei Telefonaten zusammen hatten, wurde der Film abgedreht und nochmal vier Monate später hatten wir Premiere. Das klingt verrückt, das war es auch und ist eigentlich fast unmöglich. Das ganze Team war on point und wir haben, denke ich, mit BLIND was Besonderes kreiert.

WTS: Der Film spielt viel mit den Sinneswahrnehmungen der Zuschauer. Du arbeitest viel mit violetten und blauen Farbtönen. Mich persönlich erinnerte die Optik etwas an THE NEON DEMON, während mich der Film als solches eher an Dario Argento-Klassiker, wie SUSPIRIA und TENEBRE erinnerte. Wie falsch liege ich damit?

MW: Damit liegst du sowas von richtig! Das ist genau das was der Film sein soll und will. Mir war es wichtig, dass ich den Film so schön und schon fast märchenhaft in Szene setzen kann, weil es das Tragische der erblindeten Hauptfigur noch mehr untermalt. All das Schöne um sie herum kann sie nun mal nicht sehen. Was es noch tragischer macht, selbst die Welt des Stalkers „Pretty Boy“ wollte ich bunt und leuchtend zeigen, denn wie schon gesagt: BLIND ist einfach eine Eintrittskarte in etwas Neues und Anderes. Wir wurden schon des Öfteren in die NeoGiallo-Schiene geschoben und das ist auch da wo der Film sich zu Hause fühlt. Es ist auf eine merkwürdige Art ein Drama mit Horrorelementen und nicht umgekehrt.

WTS: Sarah French spielt in BLIND unglaublich intensiv. Wie sehr beeindruckt einen Filmemacher so eine Leistung schon während der Dreharbeiten?

MW: Wie der Film entstanden ist, wie alles zueinander gefunden hat war schon merkwürdig! So auch als die erste Klappe gefallen war und wir sahen wozu Sarah French fähig ist. Ich habe schon bei ROOTWOOD erkannt, dass mehr in ihr steckt. Niemand hatte ihr zuvor die Chance gegeben zu zeigen was sie eigentlich kann.

WTS: Vielen Dank, Marcel.

Das Interview führte Jörg Großmüller für WatchTheShit.de

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