Review: DARLIN‘

(USA 2019)

Regie: Pollyanna McIntosh

Mit: Pollyanna McIntosh, Lauryn Canny, Cooper Andrews, Nora-Jane Noone

Freigabe: FSK ab 16

Release: 29. November 2019

Story: Vor den Türen eines Krankenhauses wird die völlig verwahrloste Darlin’ bewusstlos aufgefunden. Als das junge Mädchen in der Klinik wieder zu Bewusstsein kommt, wird schnell klar, dass sie alles andere als normal ist. Sie beißt, schlägt um sich und scheint nicht einmal richtig sprechen zu können. Während die Ärzte und Pfleger noch über ihre Herkunft rätseln, hat der örtliche Bischof schon einen Plan. Er will Darlin‘ zu einem respektablen Mitglied der Gesellschaft machen und nimmt sie in sein Heim für Mädchen auf. Was er nicht weiß: Die blutrünstige Frau, von der Darlin’ aufgezogen wurde, ist schon auf der Suche nach ihr …

Kritik: Vor dem Genuss von Darlin‘ sollte man in der Tat ein paar Vorkenntnisse haben, die notwendig sind, um den Film richtig einzuordnen. Tatsächlich handelt es sich hier nämlich bereits um den vierten Teil einer ursprünglichen Reihe des verstorbenen Horrorautors Jack Ketchum (>>unser Interview von 2014). Der schrieb in den späten 70er Jahren den Schocker Beutezeit (original: Off Season), rund um eine kannibalistische Sippschaft in den Wäldern der USA, die Neugeborene stielt, Menschen entführt und isst. Dieser Auftaktroman wurde allerdings nie verfilmt. Erst die Fortsetzung Beutegier (original: Offspring) aus dem Jahre 1991 wurde dann 2009 mit schmalem Budget verfilmt. Schon dort spielte Pollyanna McIntosh die namenlose, wilde Kannibalenfrau. 2011 schrieb Ketchum dann gemeinsam mit dem Drehbuchautor Lucky McKee den dritten Teil Beuterausch (original: The Woman). Bereits unter der Vorgabe der Verfilmung wurde das Buch zusammen mit dem Drehbuch verfasst und so erschien die Verfilmung unter dem Titel The Woman ebenfalls im Jahr 2011. Auch hier in der Hauptrolle Pollyanna McIntosh. 2018 verstarb Jack Ketchum dann leider. Pollyanna McIntosh, mittlerweile durch The Walking Dead deutlich bekannter, wollte sich nun mit einer weiteren Fortsetzung sowohl als Drehbuchautorin, als auch als Regisseurin versuchen. Das Ergebnis ist Darlin‘.

Der Film hält sich nicht lange mit einer Einführung auf, denn wer den Ursprung der Wilden wissen will, der soll sich eben an die Vorgängerfilme halten. Und so schafft es Frau McIntosh sofort eine düster, schmutzige Atmosphäre zu schaffen, die einen zunächst in den Bann zieht. Doch das wahre Highlight von Darlin‘ ist die junge und recht unbekannte Schauspielerin Lauryn Canny, die hier die namengebende Darlin‘ spielt. Und wie sie das tut…intensiver und glaubhafter kannst du das Mädchen aus der Wildnis, das in der Zivilisation ankommt nicht darstellen. Mit Sicherheit werden wir von Lauryn Canny noch viel hören in den nächsten Jahren.

Schnell stellen sich die ersten Toten ein und man ist ein wenig erstaunt über die recht rohe Gewalt, die man so in einem Film ab 16 Jahren nicht unbedingt erwarten würde. Dennoch sei erwähnt, dass Darlin‘ kein blutrünstiger Horrorthriller ist, sondern viel mehr ein Drama mit Horrorelementen. Gorehounds und Fans actionlastiger Horrorfilme kommen hier kaum auf ihre Kosten. So will Darlin‘ aber auch gar nicht sein. Viel mehr versteht er sich als sozial- und konsumkritische Parabel, die ab und an ein wenig über das Ziel hinaus schießt. So sind zum Beispiel die höheren Kirchenvertreter derart klischeehaft, negativ dargestellt, dass man sich ernsthaft die Frage stellen muss, welche Erfahrungen McIntosh wohl mit der katholischen Kirche gemacht haben muss. Dennoch, die Kritik am Missbrauch hinter kirchlichen Mauern ist hier doch etwas arg mit dem Holzhammer aufs Zelluloid gebannt.

Trotz aller Düsternis schafft es der Film sogar ein paar amüsante Momente zu schaffen, so zum Beispiel, wenn die wilde Mutter zum ersten Mal in einem Auto mitfahren muss und sich gebährt, wie eine Wildkatze. Ab der Mitte taucht in der Nebenbesetzung eine Gruppe von fragwürdigen Damen vom Rande der Gesellschaft auf, die ziemlich Fehl am Platz wirkt. Hier wird nicht mit Overacting gegeizt und die wenigen Szenen mit diesen Frauen wirken tatsächlich etwas unfreiwillig komisch. Zumal diese für den Fortgang der Geschichte absolut nichtig sind.

Im Finale legt Darlin‘ dann sowohl hinsichtlich Dramatik als auch auf der Blutskala nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Insbesondere die ständige Bedrohung lässt die Anspannung beim Zuschauer nicht absinken und so schaut man beim Abspann durchaus noch ein paar Sekunden ins Leere und sortiert das Gesehene.

Von meiner persönlichen Seite darf man sich nun sehr gerne Gedanken um eine weitere Fortsetzung machen. Vielleicht wäre es nun aber auch an der Zeit eine Verfilmung des ursprünglich ersten Buches Beutezeit in Angriff zu nehmen.

copyright Capelight Pictures

Ein Wort noch kurz zu den deutschen Veröffentlichungen von Capelight Pictures. Wir sind von dem Label ja durchaus überdurchschnittliche Qualität gewohnt, aber hier hat man mit einem wunderschön geprägten Steelbook wirklich ganze Arbeit geleistet. Die (neben der Standardfassung) darin enthaltene 4k-Fassung ist an Schärfe und Klarheit nicht zu übertreffen und ist eine Augenweide. Neben dem Steelbook erscheint Darlin‘ natürlich auch als Standard-DVD bzw. BluRay. Sammlern sei das Steelbook allerdings wärmstens empfohlen.

Fazit: Mit Darlin‘ ist Pollyanna McIntosh eine gute Fortsetzung von The Woman und ein sehr gutes Regie-Debut gelungen. Allen voran Lauryn Canny ist als Mädchen aus der Wildnis traumhaft besetzt und zieht den Zuschauer mit Leichtigkeit in ihren Bann. Wer sich bewusst ist, dass Darlin kein Horrorthriller sonder ein Horrordrama ist, der wird seine Freude an dem Film haben.

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