Review: ES – KAPITEL ZWEI

copyright Warner Bros.

(USA 2019)

Regie: Andy Muschietti

Mit: James McAvoy, Bill Hader, Bill Skarsgard

Freigabe: FSK ab 16

Release: 23. Januar 2020 (Heimkino)

Story: Da das Böse alle 27 Jahre nach Derry in Maine zurückkehrt, führt „ES Kapitel 2“ die Charaktere – die sich seit den damaligen Geschehnissen aus den Augen verloren haben – als Erwachsene fast drei Jahrzehnte nach den Ereignissen des ersten Films wieder an den Ort des Grauens zurück. Denn nur gemeinsam können sie ES endgültig besiegen.

Kritik: 27 Jahre mussten Fans des ersten ES-Kapitels glücklicherweise nicht warten, bis ES – KAPITEL ZWEI über die Leinwand flimmerte. Ziemlich genau zwei Jahre nach dem ersten Kapitel, kehrt Pennywise nach Derry zurück und das in jeder Sicht größer.

Von der ersten Sekunde an merkt man dem Film an, dass das Budget hier nochmal deutlich höher lag als beim Vorgänger. Kein Wunder, war doch Kapitel 1 der finanziell erfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten. Da darf man dann als Regisseur in der Fortsetzung so ziemlich alles abfeuern, was so geht…und das tut Andy Muschietti. Dass das dem Film oft nicht gut tut ist allerdings auch Fakt.

Wer es beim Kapitel 1 für mutig hielt einen Horrorfilm zu machen, der eine Laufzeit von etwas über zwei Stunden hat, der wird sich bei Kapitel 2 mit seinen 170 (!!) Minuten verwundert die Augen reiben. Ja, fast drei Stunden und gemeinsam mit dem ersten Kapitel sogar knapp über 5(!!) Stunden Laufzeit…das kann man getrost episch nennen. Zum Vergleich: Die erste Verfilmung von 1990 kam insgesamt gerade mal auf knapp 180 Minuten.

Das hat natürlich unweigerlich ein paar Folgen. Zum einen musst der Zuschauer etwas Sitzfleisch mitbringen. Eine Fähigkeit, die heute eher weniger ausgeprägt ist. Zum anderen gibt es auch im Spannungsbogen natürlich ein paar Momente, die etwas Leerlauf produzieren. Dabei ist ES – KAPITEL ZWEI aber immer noch erstaunlich flott unterwegs. Die Frage, die sich mir aber noch viel deutlicher aufdrängt: Wieso hat man das ganze Projekt nicht als Mini-Serie angelegt? In Zeiten riesiger Serienproduktionen, wie Game of Thrones und The Witcher, wäre das durchaus möglich gewesen. Und Spielraum gibt die Buchvorlage von Stephen King mit seinen 1500 (!!) Seiten sicherlich zu genüge. Als Vergleich: Das ungekürzte Hörbuch läuft 52 (!!) Stunden.

Apropos Stephen King: Der Horrormeister gibt sich ja in den Verfilmungen seiner Werke traditionell gerne Cameo-Auftritten hin und das tut er hier auch. Ist er in den meisten Verfilmungen nur kurz zu sehen, hat er hier tatsächlich ein, zwei Minuten Screentime und sogar Dialog zu sprechen.

Tja, aber wie ist der Film denn nun? Hit oder Shit? Hopp oder Top? Das lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Er ist für mich persönlich zuweilen ärgerlich…ärgerlich deshalb weil er soviel richtig und falsch zugleich macht. Er erzählt die Geschichte der Teenanger nahezu perfekt weiter und visualisiert die Erinnerungen der Verlierer wunderbar. Damit bildert er den Kern der Originalgeschichte sehr gut ab. Die Besetzung ist hervorragend, allerdings fällt James McAvoy im Vergleich zu seinen Kolleen ein wenig ab. Er „overacted“ in so mancher Szene ein wenig, was allerdings Jammern auf hohem Niveau ist. In einem so großartigen Cast fallen solche kleinen Schwächen allerdings dann auch umso schneller auf.

Jedesmal wenn man so richtig in die Geschichte eintaucht, reißt ES dann auch alles wieder ein…im wahrsten Sinne des Wortes. Was hier an CGI-Effekten abgefeuert wird geht über alle Maßen hinaus und wer die nicht mag, der hat automatisch ein Problem. Dass Muschietti auf CGI steht hatte er ja bereits mit seinem Debut MAMA unter Beweis gestellt. Auch da gab’s eine interessante Geschichte, die mit CGI am Ende etwas „zerstört“ wurde. Und genau das passiert in ES – KAPITEL ZWEI gefühlt alle zehn Minuten. Ein Beispiel: Die Verlierer treffen sich zum ersten Mal in Derry wieder. In einem Restaurant. Dort wird ziemlich gruselig durch die Glückskekse die Anwesenheit von Pennywise angedeutet. Doch genau dann wenn man kurz davor ist nervös an den Fingernägeln zu kauen, schlüpfen aus eben jenen Keksen CGI-Monster, die nicht gruselig sondern einfach affig sind. Und weg ist sie…die Gänsehaut. Genau dieses Prinzip wiederholt der Film mehrfach.

Aber es gibt auch Szenen, die durchaus gruselig sind und funktionieren. Wenn Pennywise zum Beispiel unter der Tribüne eines Stadions lauert und ein kleines Mädchen zu sich lockt, erinnert das an die bekannte Opening-Szene aus Kapitel 1. Diese Momente sind allerdings eher selten.

Fazit: Schade, ES – KAPITEL ZWEI macht sehr viel richtig, aber eben auch sehr viel falsch. Wer CGI auch nur im Ansatz nicht mag, der wird sich hier sehr oft an den Kopf fahren. Der Film schafft es immer wieder seine sehr guten und gruseligen Momente mit Krawall und Effektgewitter niederzureißen. Dabei erzählt er die Geschichte der Verlierer sehr gut und wird trotz langer Laufzeit nie langweilig. Als Horrorfilm ist er aber einfach zu wenig gruselig und zuviel CGI-Desaster.

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