Review: MIDSOMMAR

(USA 2019)

Regie: Ari Aster

Mit: Florence Pugh, Will Poulter, Anna Aström

Freigabe: FSK ab 16

Story: Dani und ihr Freund Christian begeben sich auf einen Sommertrip nach Schweden. Gemeinsam mit Christians Clique sind sie zu einem besonderen Mittsommerfestival eingeladen. Doch der anfänglich idyllische Eindruck der abgelegenen Gemeinschaft trügt, die freundlichen Dorfbewohner verhalten sich nach und nach verdächtiger. Sie bereiten ein Ritual vor, das nur alle 90 Jahre zelebriert wird.

Kritik: Ich gestehe gleich zu Beginn, dass ich zu der Fraktion gehöre, die mit Ari Aster’s gelobtem Werk Hereditary – Das Vermächtnis nicht so richtig viel anfangen kann. Auch ähnlich gelagerte Traditions-Horrorfilme, wie The VVitch begeistern mich wenig. Entsprechend kritisch ging ich an MIDSOMMAR heran, der so in etwa in diese Richtung gehört, so dachte ich zumindest.

Nun das Mittsommer-Fest ist eine skandinavische Tradition, die mit der Sommersonnenwende im Juni zusammenhängt. Dabei handelt es sich, um die längste Tagesphase, so dass es an dem Tag kaum zu einem richtigen Sonnenuntergang kommt und es entsprechend hell bleibt. Man feiert das ganze als alten Brauch aus vorchristlicher Zeit mit allerlei gutem Essen und Trinken und trägt traditionelle Kleider. Ein Fest, dass ohne Dunkelheit auskommt als Vorlage für einen Horrorfilm zu nehmen, ist als solchens schon ein wenig abwegig. Wenn man dann den Begriff Midsommar fast ausschließlich mit Angeboten eines schwedischen Möbelhauses in Verbindung bringt, wie ich das tue, dann stellt sich bei dem Titel MIDSOMMAR erst einmal wenig Horrorfeeling ein. Zumindest verglichen mit bekannten „Horrorfeiertagen“, wie Halloween, Freitag der 13., (Blutiger) Valentinstag etc…..

Zunächst liegt MIDSOMMAR durchaus im neuen Trend von Horrorfilmen mit Überlänge. So kommt die Kinoversion auf 147 Minuten (Grundlage dieser Kritik) und darüber hinaus existiert noch ein verlängerter Director’s Cut mit stolzen 170 Minuten Laufzeit. Dabei schafft es der Film allerdings von Beginn an und über die gesamte Distanz kaum Längen und definitiv keine Langeweile aufkommen zu lassen. Ein gewisses Faible für „andersartige“ Horrorfilme sollte man aber mitbringen, denn mit klassischen Genrekonventionen a la Conjuring und co hat Ari Aster’s Film so gar nichts am Hut. Der Horror kommt hier langsam, aber er kommt….und wenn er dann da ist,d ann ist er auch wirklich da und geht nicht mehr weg. Dabei ist MIDSOMMAR selbst grafisch sogar (für eine Freigabe ab 16 Jahren) ziemlich heftig. Aber wir werden an dieser Stelle nicht spoilern. Die englische BBFC hat den Film beispielsweise ab 18 Jahren freigegeben.

Dabei funktioniert der Film, wie ein einziger Widerspruch. Helle, freundliche und sommerliche Farben umrahmen dieses düstere Sekten-Horrorwerk. Die Kamera spielt mit der Farbgebung und alles wirkt unglaublich freundlich, aber unter der Fassade lauert das abgrundtief Böse. Dabei muss man bei MIDSOMMAR nicht ganz so lange bedeutungsschwangere Deutungen anstellen. Zwar gibt es auch hier reichlich Metaphern und mystische Symbole, aber in erster Linie symbolisiert der Film das Gift, dass einen Menschen durchströmt, wenn er in Beziehungen verweilt, die ihm alles andere als gut tun.

Das Finale ist dann schließlich schwer zu ertragen, zumindest wenn man sich vorher auf die Geschichte eingelassen hat. Ein Effekt des puren Entsetzens tritt ein und man verharrt förmlich in der quälend langen Schlusssequenz und dem abschließenden Wahnsinn. Wer hier noch an das Gute im Menschen glaubt, dem ist nicht zu helfen. Im Grunde ein Werk, dass trotz seiner hellen, freundlichen Optik nicht düsterer sein könnte.

Fazit: Wow, was für ein Brett. Tradition, Sekten, Inzest, Mord, Opfer, Hinrichtungen…..die Palette dessen was hier im bunten Sommerlook auf den Zuschauer einprasselt ist schon sehr stramm. Ein vielschichtiger Horrorfilm, der fernab gewohnter Horrorkonventionen seinen eigenen Weg findet. Und der Horror funktioniert….ganz ohne Jumpscares…wer sich darauf einlassen kann, erlebt einen kranken Horrortrip und den bisher besten Horrorfilm von Ari Aster…..mehr davon.

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