Review: 1917

Regie: Sam Medes

Mit: Andrew Scott, Benedict Cumberbatch, Mark Strong

Freigabe: ab 12

Story: Das Jahr 1917: Der erste Weltkrieg ist in vollem Gange und Engländer bekriegen sich in harten Stellungskämpfen mit den deutschen Truppen. Das englische Heer will zum finalen Schlag ausholen, ahnt aber nichts von der Falle, die ihnen gestellt wurde. Zwei Soldaten sollen die Warnung als Eilbote überbringen und müssen sich durch feindliches Gebiet schlagen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Kritik: Immerhin drei Oscars, bei sieben Nominierungen gewann das Kriegsdrama 1917 von Sam Mendes. Dabei dürfte Mendes Cineasten durchaus geläufig sein. Fast alle seine Filme waren sehr erfolgreich. Darunter befinden sich prominente Titel, wie Jarhead, Zeiten des Aufruhrs, American Beauty und die Bond-Streifen Spectre und Skyfall. Und so ist auch 1917 ein Film, der viel Beachtung bekam. Dabei ist er sicher ein guter, aber bei weitem kein perfekter Kriegsfilm.

Von Anfang an begeistert die Kamera-Arbeit, die ohne sichtbare Schnitte auskommt. Auch wenn die Illusion der Echtzeit hier recht schnell platzt. Nämlich als der Film bei Tageslicht beginnt, sich dann in die Nacht bewegt und wieder bei Tageslicht endet. Dem Zuschauer hier erzählen zu wollen, die 119 Minuten sollen in Echtzeit ablaufen ist schlicht Humbug. Doch das ist nicht das größte Ärgernis an 1917.

Viel schwerer wiegt für mich persönlich der Umstand, dass das Drehbuch eine völlig irrationale Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, wie wir sie aus Kriegsfilmen der 50er und 60er-Jahre kennen. Wenn jemand hier was wirklich Böses tut, dann ist es grundsätzlich der Deutsche. Selbst wenn britische Soldaten in größte Not geratene deutsche Soldaten versuchen zu retten, nutzen diese die kleinste Unachtsamkeit ihre feindlichen Retter hinterrücks zu töten. Das ist in beider Hinsicht unglaubwürdig und ärgerlich anzuschauen. Doch der gemeine Deutsche ist nicht nur hinterlistig, sondern auch absolut nicht zielsicher. Auf grade Distanz von vielleicht 50 Metern und ohne jede Deckung, zielen die feindlichen Soldaten schlechter als der Kassenführer des örtlichen Schützenvereins. Das mag dramaturgisch ja Sinn machen, aber gehört eher in Kriegs-Actioner als in ein Weltkriegsdrama mit historischem Anspruch.

Aber damit endet auch die Liste der negativen Aspekte, denn der Rest ist schon vom aller Feinsten. Die Effekte und nicht zuletzt der Score, sowie der gesamte Soundmix sind schon eione klasse für sich. Wenn da eine Granate einschlägt, geht man (die entsprechende Anlage vorausgesetzt) auf der heimischen Couch gleich mit in Deckung. Dem Bild der gesichteten 4K-Variante fehlt es hingegen etwas an Detailreichtum und Schärfe, dafür punktet die Scheibe in den dunklen Szenen mit hervorragenden HDR-Effekten.

Das Finale erzeugt dann nochmal ordentlich Spannung und man fiebert durchaus mit, wenngleich der Aha-Effekt oder die Botschaft am Ende dann irgendwie ausbleibt. Tatsächlich hat 1917 keine Botschaft und das hat mich schon sehr überrascht, wenn man ihn mit ähnlichen Werken der letzten 20 Jahre so vergleicht. So kommt es auch, dass man zwei Stunden wirklich gut unterhalten wurde, aber über das Gesehene nach dem Abspann nicht weiter nachdenkt. Und das ist vielleicht der größte Kritikpunkt, den sich ein historischer Kriegsfilm anhören muss: man vergisst sehr schnell.

Fazit: Die Präsentation von 1917 ist eine Wucht. Der Sound ist toll, die Effekte grandios und die Kamera-Arbeit hat völlig zurecht einen Oscar gewonnen. Ebenso völlig zurecht ist der Film aber bei der Wahl zum besten Film leer ausgegangen. Dafür fehlt es ihm einfach an Substanz, an Message. Obendrauf gibt es einige recht unrealistische Situationen und unnötige Dämonisierung der deutschen Soldaten. Zumal die Engländer offenbar wahre Engel gewesen sind. Das trübt den sonst tollen Eindruck. Für Fans von Kriegsfilmen trotzdem voll empfehlenswert…

Wertung: 7/10

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